Astrid Lindgren
Im Januar 2007 ist der fünfte Todestag, im November der 100. Geburtstag der großartigen schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Die Erfinderin unsterblicher Kinderbuchfiguren wie Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Karlsson vom Dach oder Ronja Räubertochter erfreute mit ihren abenteuerlichen Geschichten lesehungrige Kinder- und Erwachsenenherzen.
Von der Stenographin zur Schriftstellerin
Astrid Lindgren wurde am 14. November 1907 im schwedischen Vimmerby als eines von vier Kindern des Landwirts und Pfarrhofpächters Samuel August Ericsson und seiner Frau Hanna geboren. Nach einem Job bei einer regionalen Zeitung begann sie 1926 ihre Ausbildung als Sekretärin in Stockholm. Im selben Jahr kam ihr Sohn Lars auf die Welt, den sie bis zum Jahre 1929 in eine Pflegefamilie geben musste. 1931 heiratete sie Sture Lindgren, mit dem sie 1934 Tochter Karin bekam.
Die siebenjährige Karin war es, die den Namen "Pippi Langstrumpf" erfand und sich von ihrer Mutter Geschichten über Pippi erzählen ließ. Astrid Lindgren schrieb die Pippi-Geschichten auf und schenkte ihrer Tochter die gesammelten Abenteuer zum 10. Geburtstag. Mittlerweile als Sekretärin bei der Schwedischen Buchhandelszentrale, einem Automobilclub und auch als Stenographin für einen Kriminalistikprofessor tätig, sandte sie das Pippi-Langstrumpf-Manuskript an den Albert-Bonniers-Verlag. Zwar wurden die Geschichten abgelehnt, aber ihre Freude am Schreiben war geweckt.
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Für einen Wettbewerb des Verlages "Rabén & Sjögren" zum Thema Mädchenbuch reichte sie die Geschichte "Britt-Mari erleichtert ihr Herz" ein und erhielt dafür den 2. Preis. 1945 schrieb derselbe Verlag einen Wettbewerb zum Thema "Kinderbücher" aus und mit einer überarbeiteten Fassung der Abenteuer von "Pippi Langstrumpf" gewann Astrid Lindgren den 1. Preis: Das Buch wurde ein voller Erfolg!
Werke und Auszeichnungen
1946 nahm Astrid Lindgren ein letztes Mal an einem Wettbewerb teil. Ihre Detektivgeschichte "Kalle Blomkvist" erhielt wiederum den 1. Preis. Viele wunderbare Bücher sollten folgen, denn neben Kinderbüchern schrieb sie im Laufe ihrer Karriere auch Bilderbücher, Drehbücher, Theaterstücke und Lieder. Mit den Geschichten über Pippi Langstrumpf, Michel von Lönneberga, Kalle Blomkvist, den Kindern von Bullerbü, den Brüdern Löwenherz und vielen weiteren Kinderbuchfiguren eroberte sie die Herzen der kleinen Leser, regte ihre Phantasie an und versetzte sie in andere Welten.
Für ihre schriftstellerischen Leistungen und ihr soziales Engagement wurde Astrid Lindgren u.a. 1965 mit dem Schwedischen Staatspreis für Literatur, 1971 der Großen Goldmedaille der schwedischen Akademie für Literatur, 1973 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Linköping, 1975 mit der Königlich Schwedischen Medaille Litteris et Artibus und 1978 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. 1986 erhielt sie den Selma-Lagerlöf-Preis und den Lego-Preis, 1987 den Leo-Tolstoi-Preis, 1994 den Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises und viele Auszeichnungen mehr. Dutzende Schulen wurden allein in Deutschland nach ihr benannt und 1999 wurde sie zur "Schwedin des Jahrhunderts" gewählt.
Politisch und sozial engagiert
Von 1946 bis 1970 war Astrid Lindgren als Leiterin der Kinderbuchabteilung des Verlages "Rabén & Sjögren" tätig. Sie engagierte sich u.a. für den Tierschutz, gründete eine Stiftung für behinderte Kinder und trat in den Verein "Das Recht auf unseren Tod" ein, der sich für den Anspruch auf ein würdiges Sterben bei unheilbarem Leiden einsetzt. 1987 stand sie mit Michail Gorbatschow im Briefwechsel zum Thema Frieden. Sie hatte zudem gegen eine EU-Mitgliedschaft Schwedens plädiert, weil ihr die Tierschutzgesetze der EU nicht streng genug waren - für die Abschaffung der Massentierhaltung in Schweden hatte sie sich erfolgreich eingesetzt.
Astrid Lindgren starb am 28. Januar 2002 im Alter von 94 Jahren in Stockholm. Ihre Bücher jedoch werden in den Kinderherzen, die sie von Generation zu Generation entzückt, weiterleben.



